Endoparasiten (Würmer) bei Pferd und Pony

Prophylaxe von Wurmerkrankungen beim Pferd

Warum ist sie so wichtig?

Häufig verursacht der Wurmbefall beim Pferd zunächst keine wahrnehmbaren Sympotme. Dennoch können sie auch schwerwiegende Erkrankungen bis hin zu Kolik verursachen bzw. das Immunsystem des Pferdes schwächen und so anderen Erkrankungen den Weg ebnen. Daraus resultiert eine Leistungsminderung, was nicht nur  bei Turnierpferden eine Rolle spielt.

Um die notwendigen Bekämpfungsmaßnahmen planen zu können, braucht man ein wenig Grundwissen über die möglicherweise vorkommenden Parasiten und ihren jeweiligen Lebenszyklus. Wichtig ist nicht nur die richtigen Mittel zu verwenden, sondern auch sie zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen. Ansonsten droht die Entwicklung von Resistenzen. Allerdings bleiben all diese Bemühungen nur von kurzzeitigem Erfolg, wenn nicht gleichzeitig Stall- und Weidehygiene betrieben werden.

Bei einer Kotuntersuchung werden zwar oft nicht alle Parasiten gefunden, aber von Zeit zu Zeit sollte sie dennoch ausgeführt werden, um sicher zu sein, dass die Bekämpfungsmaßnahmen Wirkung zeigen.

Häufiger vorkommende Würmer beim Pferd

Bandwürmer

Bandwürmer können selten in Kotproben nachgewiesen werden. Untersuchungen an deutschen Schlachthöfen haben aber bei 75% der Pferde einen Befall mit Bandwürmern gezeigt. Also Grund genug, auch ihnen Aufmerksamkeit zu widmen.

Epidemiologie:

Als Zwischenwirt wird die Moosmilbe benötigt. Pferde infizieren sich, indem sie die Milben mit dem Weidegras aufnehmen.

Symptome:

klinische Symptome werden erst bei hochgradigem Befall bemerkt in Form eine Darmentzündung.

Bandwürmer verursachen funktionelle Störungen wie Verstopfung, Abmagerung und Durchfall.

Entwurmung am Anfang und Ende der Weidesaison: Praziquantel, Droncit, Equimax

Rundwürmer

Große Strongyliden, Palisadenwürmer

Die großen Strongyliden gehören zu den pathogensten Parasiten, betroffen sind Pferde aller Altersstufen.  Die Larven entwickeln sich in der Außenwelt meist im noch feuchten Kot bei warmen Temperaturen. Eine Überwinterung der Larven ist aber auch möglich.
Die infektionsfähige Larve kriecht v.a. in den feuchten Morgen- und Abendstunden an Grashalmen hoch und wird so mitgefressen.

Im Stall ist ebenfalls eine Entwicklung möglich. Hier kriechen die Larven an den Boxenwänden hoch und werden durch Belecken aufgenommen.

Im Dickdarm angekommen, bohren sie sich durch die Gefäßwände und wandern bis in die vordere Gekrösearterie. Eine andere Art gelangt in die Bauchhöhle und von da aus in die Leber.

Nach 3-4 Monaten gelangen sie über den Blutstrom wieder zurück in den den Dickdarm bzw. Blinddarm, wo sie geschlechtsreif werden und mit der Eiausscheidung beginnen.

Pathologie:

Während ihrer Wanderung in den Gefäßwänden, können die Larven erheblichen Schaden anrichten.
Durch den Verlust der Festigkeit der Gefäßwand, werden Aneurysmen gebildet (Ausweitungen), die instabil sind. Außerdem wird durch Thromben der Blutfluß zum Darm eingeschränkt, es besteht die Gefahr von Koliken.

Das sogenannte ‘intermittierende Hinken’ tritt auf, wenn es zu einer Verstopfung der Versorgungsgefäße für die Hintergliedmaße kommt.

Die adulten Würmer im Darm verursachen kaum noch Probleme.

Epidemiologie:

Zur Eiausscheidung kommt es nach einer Infektion mit großen Strongyliden frühestens nach 6 Monaten. Eine Kotprobe ist zur Diagnostik also eher ungeeignet. Schäden werden durch die wandernden Larven schon lange vorher verursacht. Es sind Todesfälle 2-4 Wochen nach einer Infektion beschrieben.

Nachdem die Larven zu ihrer Entwicklung warme und feuchte Temperaturen benötigen, ist der Infektionsdruck im Frühjahr sehr gering. Durch regelmäßiges Absammeln des Kotes von der Weide, kann ein allzu massives Ausbreiten verhindert werden. Dennoch steigt die Parasitenzahl im Laufe des Sommers massiv an.

Sinnvoll ist eine Entwurmung im Juli und anschließend ein Umtrieb auf eine in dem Jahr noch nicht von Pferden genutze Weide.

Als Richtlinie für die Entwurmung gilt:

Fohlen sollten alle 8 Wochen bis zum 1. Lebensjahr behandelt werden
Stuten gleich nach dem Abfohlen und anschließend alle drei Monate

Bestandsentwurmungen bei Weidehaltung: alle drei Monate bzw. vor, in der Mitte und nach der Weideperiode

Bestandsentwurmung bei Stallhaltung: alle vier Monate, bzw. im Frühjahr, Spätsommer und Winter

Präparate:

Pyrantelembolat: Banminth

Benzimidazole (Resistenzen möglich)

Avermectine (nur diese wirken auch auf die Wanderstadien)

Kleine Strongyliden:

Die kleinen Palisadenwürmer machen im Gegensatz zu ihren großen Verwandten keine Körperwanderung durch. Ihre Entwicklung in der Außenwelt verläuft wie bei den großen Strongyliden. Im Dickdarm angekommen entwickeln sie sich in der Darmwand und kehren anschließend frei in den Darm zurück. Zu bemerken ist, dass die kleinen Strongyliden als sogenannte enzystierte Larven bis zu 2 1/2 Jahre in der Darmwand überleben können bevor sie sich weiterentwickeln.

Pathologie:

Auch hier sind die Larven gefährlicher als die ausgewachsenen Würmer. Schwere Erkrankungen mit Inappetenz, Durchfall sowie intermittierenden Koliken treten bei Fohlen auf.

Epidemiologie:

Kleine Strongyliden können 2,5 bis 3 Monate nach der Infektion im Kot nachgewiesen werden. Meist liegt eine Mischinfektion mit großen Strongyliden vor, so dass Breitbandanthelmintika eingesetzt werden.

Wichtig zu erwähnen sind aber die vielen Resistenzen v.a. gegen Benzimidazole

Avermectine (z.B. Ivermectin) verhindert für 8 – 10 Wochen die Eiausscheidung

Moxidectin (Equest) wird länger im Körper gespeichert als Ivermectin bzw. Pyrantel. Als einziger Wirkstoff besitzt er auch eine Wirkung gegen die enzystieerten Larven der kleinen Strongyliden.

Lungenwürmer:

Bedeutung besitzt dieser Schädling eigentlich nur für junge Pferde bis zu einem Alter von neun Monaten, wenn sie gemeinsam mit Eseln gehalten werden. Erwachsene Pferde sind kaum empfänglich, nur selten kommt es bei ihnen zu einer Ei- oder Larvenausscheidung.

Wirksam sind Avermectine

Pfriemenschwänze:

Leben beim Pferd im Dickdarm. Zur Eiablage bohren sich die Weibchen aus dem After aus und legen die Eier im Bereich des Anus ab. Hierdurch entsteht heftiger Juckreiz, die Pferde scheuern sich ständig was man an der abgeriebenen Schwanzwurzel erkennt.

Diagnose: Die Eier sind im Analgeschabsel zu erkennen, nicht im Kot!

Therapie: auch hier wirkt Ivermectin

Peitschenwurm:

Nach der Eiaufnahme schlüpfen die Larven im Darm und beginnen nach einer Reifungsphase mit der Eiausscheidung

Infektionsquellen sind nasse schattige Ausläufe und dunkle unsaubere Stallungen. Hier können sie Eier jahrelang überleben.

besonders gefährdet sind Fohlen bis zu einem halben Jahr

Die Behandlung erfolgt mit Benzimidazolen

Zwergfadenwurm

Die Larven gelangen nach einer Blut-Lungenwanderung in den Dünndarm und entwickeln sich doch zu adulten Würmern. Einige Larven können auch im Fettgewebe u.a. des Euters bleiben und lange lebensfähig bleiben. Im Zuge der Trächtigkeit kann es zu einer Reaktivierung dieser Larven kommen, so dass das Fohlen bereits über die Milch infiziert wird.

Therapie:

Fohlen werden am 14. 21. und 35 Lebenstag behandelt mit Benzimidazol oder Ivermectin

Stuten 1-2 Tage nach dem Abfohlen

Spulwürmer

Pferdespulwürmer werden bis zu 50 cm groß, damit sind sie die längsten Spulwürmer bei Haustieren.

Pathologie:

Nach Aufnahme der Larven bohrt sich diese aus dem Darm aus und gelangt über die Pfortader in die Leber, in deren Gewebe sie herumwandert. Schließlich gelangt sie wieder über das Blut in die Lunge, wandert über die Luftröhre soweit hinauf, dass sie abgeschluckt werden kann und landet schließlich im Dünndarm.

Erkrankungen treten hauptsächlich bei Jungtieren auf, erwachsene Pferde zeigen keine Krankheitsanzeichen, sind aber Ausscheider und infizieren somit die Fohlen.
Symptome sind Inappetenz, Durchfall und Abmagerung.

Prophylaxe

In feuchter Umgebung können die Eier monate- bis jahrelang überleben. Eine gründliche Stallreinigung ist also von großer Bedeutung. Ebenso auch hier die regelmäßige Kotentfernung von der Weide.

Behandlung:

Die auch gegen Palisadenwürmer eingesetzten Präparate sind wirksam. Alle acht Wochen sollte bis zum ersten Lebensjahr entwurmt werden. So sind die Würmer noch klein und können beim Absterben keinen Darmverschluß verursachen

Magendasseln

Auch wenn sie nicht zu den Würmern gehören, sollten die Magendasselfliegen hier erwähnt werden.

An warmen trockenen Sommertagen legen die Fliegen ihre gelblichen Eier im Bereich von Brust und Vorderbeinen der Pferde ab. Nach ca. fünf Tagen entwickeln sich Larven, die für das Pferd einen Juckreiz auslösen. Das Pferd leckt die Larven ab und so gelangen sie in die Maulschleimhaut, wo sie sich drei oder vier Wochen lang weiter entwickeln und schließlich abgeschluckt werden, um im Magen-Darm-Trakt bis zum Frühjahr zu leben.
Je nach Anzahl der Dasseln, können sie massive Magenschleimhautentzündungen auslösen. Es gibt auch die Vermutung, dass die so entstehenden Wunden die Bildung von Magengeschüren begünstigt

Im späten Frühjahr werden schließlich die Larven mit dem Kot ausgeschieden und die Fliegen entwickeln sich.

Bekämpfung:

Ivermectin am Ende der Weideperiode. Ende Oktober / Anfang November sollten die letzten Larven aus noch im Fell vorhandenen Eiern geschlüpft sein

Bei einem sehr starken Befall, kann es notwendig sein, noch eine weitere Entwurmung im Januar durchzuführen

Magendasselfliegen sind haben nur einen relativ kleinen Aktionsradius. Wenn also alle Pferde eines Bestandes immer konsequent behandelt werden, kann man die Belastung im nächsten Jahr auf der Weide deutlich senken.

Entwurmen – fragt sich nur wann und womit

Zur Zeit sind diverse Präparate aus unterschiedlichen Wirkstoffgruppen auf dem Markt. Nicht alle Wirkstoffe wirken auch gegen alle Parasiten außerdem sind Resistenzen zu berücksichtigen

Eine Übersicht über Wirkstoffgruppen, Präparate und mögliche Anwendungen

Benzimidazole (z. B. Panacur, Rintal)

Benzimidazole wirken gegen die meisten Rundwürmer bei Pferden, allerdings gibt es viele Resistenzen so dass man auf die Verwendung verzichten sollte.
Gegen den Zwergfadenwurm der Fohlen wirken sie nur teilweise.
Keine Wirkung besteht gegen Lungenwürmer, Bandwürmer und Magendasseln.

Pyrantel (Banminth)

Pyrantel wirkt ähnlich den Benzimidazolen.
Eine Aktivität gegen Zwergfadenwürmer ist praktisch nicht vorhanden. Es ist sehr gut verträglich, auch für Saugfohlen und tragende Stuten.
Lungenwürmer und Magendasseln werden nicht abgetötet.

makrozyklische Laktone (Ivomec, Equest, Eraquell, Furexel)

In diese Wirkstoffgruppe gehören bei den Pferde-Antiparasitika die verwandten Substanzen Ivermectin und Moxidectin, deren Wirkspektrum in etwa vergleichbar ist.

Moxidectin wirkt allerdings nicht gegen Lungenwürmer.
Makrozyklische Laktone wirken gegen die unter „Benzimidazole“ und „Pyrantel“ beschriebenen Rundwürmer, Zwergfadenwürmer (wichtig bei Fohlen) und Magendasseln.
Außerdem haben sie eine Wirkung gegen bestimmte äußere Parasiten des Pferdes.

Ivermectine wirken zusätzlich gegen Lungenwürmer

Moxidectin wirkt auch auf Larvenstadien, so dass es nach der Entwurmung längere Zeit keine Eiausscheidung gibt.

Praziquantel (Equimax, Droncit)

Das Bandwurmmittel beim Pferd
Achtung: Praziquantel wirkt nicht gegen die anderen Pferdeparasiten.

Wann wird gegen welche Parasiten entwurmt?

Die Bestandsentwurmung für ausgewachsene Pferde kann so aussehen:

April/Mai: gegen Rundwürmer -> Ivermectin oder Pyrantel
Juni/Juli: gegen Rundwürmer + Bandwürmer (Kombi) -> Ivermectin oder Pyrantel + Praziquantel
August/September: gegen Rundwürmer -> Ivermectin oder Pyrantel
Oktober/November: gegen Rundwürmer + Bandwürmer + Magendasseln (Kombi) -> Ivermectin + Praziquantel
Eventuell kann im Januar eine weitere Entwurmung (Rundwürmer, Magendasseln) sinnvoll sein. -> Ivermectin

Fohlen und Jungpferde müssen häufiger entwurmt werden. Hier ein Orientierungsplan als Anhaltspunkt

Erste Behandlung: 1 – 3 Wochen nach der Geburt
Bis Ende erster Weidesommer: alle 2 – 8 Wochen
Bis Ende zweites Lebensjahr: alle 6 – 8 Wochen
Bis Ende drittes Lebensjahr: alle 8 Wochen
Danach: wie erwachsene Pferde

Abweichungen von diesen Plänen können nötig sein in Abhängigkeit von bereits aufgetretenen Parasitosen im Stall, regionalen Besonderheiten oder auch dem Immunstatus des jeweiligen Pferdes.

Wurmkuren gibts bei ihrem Tierarzt zu kaufen.

Wer lieber online nach Beratung durch einen Tierarzt kauft erhält sie zum Beispiel hier allgemein

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