Atypische Weidemyopathie – Atypische Myoglobinurie der Weidepferde

Bei der Atypischen Weidemyopathie, auch Grass Sickness genannt, handelt es sich um eine plötzlich auftretende Muskelerkrankung, die in den meisten Fällen (> 90%) tödlich endet. Betroffen sind Weidepferde in den Wintermonaten.

Ihre Ursache ist nach wie vor unbekannt, auch wenn verschiedene Hypothesen diskutiert werden.

So erschreckend diese alljährlich in den Medien auftretenden Berichte sind, bleibt aber zu beachten, dass die Erkrankung nur sporadisch auftritt. Der Nutzen des Weideganges für Atmungstrakt und Psyche der Pferde überwiegt bei weitem das Risiko einer evtl. Erkrankung. Eine Zufütterung mit qualitativ hochwertigem und einwandfreiem Futter sowie eine gute Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen (vor allem Vitamin E) sollte aber selbstverständlich sein.

Welche Pferde können von der Atypischen Weidemyopathie betroffen sein:

Bisher fast ausschließlich Pferde, die unmittelbar vor der Erkrankung Tag und Nacht auf der Weide gehalten wurden unabhängig von Rasse und Geschlecht. Häufiger scheinen junge Pferde unter 3 Jahren betroffen zu sein, die in mäßigem bis gutem Ernährungszustand sind und keine Zufütterung erhalten.

Betroffene Weiden sind häufig langjährig als Pferdeweide genutzte, wenig bis gar nicht gedüngte Bereiche in Waldnähe, auf denen viele Blätter liegen.

In einer anderen Quelle heißt es:

Bei den betroffenen Tieren handelt es sich hauptsächlich um zwei- bis siebenjährige Weidetiere mit einem guten bis adipösen Ernährungszustand. Häufige Anthelminthikagaben, nitrogenhaltiges Weideland und eine inadäquate Fütterung sollen die Krankehitsinzidenz erhöhen. [Praktischer Tierarzt 92: Ausgabe 1, Seite 41-44(2011); Autoren: Michutta J-I. Olias P. Ferencz T.Lischer C]

Wann tritt diese Weideerkrankung auf:

Fast ausnahmelos im Herbst, vereinzelt auch im Frühjahr oder Winter.

Ein Zusammenhang mit bestimmten Wetterlagen scheint zu bestehen.

Häufung nach frostigen, mit plötzlichem Kälteeinbruch einhergehenden Nächten; plötzlichem Wetterumschwung und Kälteeinbruch.

Bei welchen Symptomen muß an atypische Weidemyopathie gedacht werden

  • plötzliches Auftreten, schneller Verlauf (Pferde versterben innerhalb von 72 Stunden)
  • häufig sind mehrere Pferde auf einer Weide betroffen, aber nicht alle
  • plötzliche Kolikanzeichen (daher auch oft falsche Behandlung)
  • schwankender Gang
  • Schweißausbrüche
  • Schleimhäute hochgratig gerötet oder zyanotisch
  • dunkelroter bis brauner Harnabsatz
  • Appetit ist erhalten, aber die betroffenen Pferde können oft nicht mehr abschlucken

Therapie:

Nachdem die Ursache nach wie vor unbekannt ist, ist ausschließlich eine rein symptomatische Therapie möglich. Empfohlen sind entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente, außerdem Antibiotika und eine Flüssigkeitstherapie.

Ein Transport sollte wenn möglich vermieden werden.

Was kann vorbeugend getan werden:

  • Pferde in der gefährlichen Zeit, also vor allem im Herbst, nachts aufstallen oder ihnen zumindest einen Unterstand bieten
  • im Frühjahr und Herbst jedenfalls Weiden meiden, auf denen es einen bestätigten Krankheitsfall gegeben hat.
  • Zufütterung von hochwertigem Kraftfutter bzw. Mineralstoff- und Vitaminmischungen. Nur Lecksteine reichen nicht aus.

Hypothesen zur Ursache der atypischen Weidemyopathie

Zur Zeit geht man davon aus, dass die Myopathie durch das Gift eines Bakteriums – Clostridium sordellii – ausgelöst wird. Das Bakterium kommt im Boden vor und scheint sich unter bestimmten Witterungsbedingungen stark zu vermehren. Begünstigend wirkt evtl. eine bereits vorliegende Mangelversorgung mit Selen und / oder Vit. E.

Noch handelt es sich allerdings um Hypothesen, Beweise stehen nach wie vor aus.

Weiterführende Links:

Vor allem die Universität in Lüttich forscht sehr viel im Zusammenhang mit dieser Erkrankung. Sie haben eine eigene Informationsseite eingerichtet, die auf Englisch und Französisch zur Verfügung steht.

Seite zur Atypischen Weidemyopathie der Universität Lüttich, sowohl für betroffene Pferdebesitzer als auch für Tierärzte

Informationen der Tierseuchenkasse Sachsen

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