Das chronisch hustende Pferd – COPD, RAO, AID

Atemwegsbeschwerden beim Pferd sind neben Lahmheiten die häufigsten Erkrankungen beim Pferd. Die hoch spezialisierte Lunge des Lauf- und Fluchttieres Pferd reagiert leider sehr empfindlich auf vieles, was wir ihr im Stall so zumuten.

Typische Auslöser für Husten beim Pferd sind:

  • Virusinfektionen der Atemwege (Influenza, Herpes u.a.)
  • Bakterien und Parasiten
  • Allergien auf Pilzsporen wie sind auch in gutem Heu und Stroh vorkommen
    Allergien auf Blütenpollen
  • Haltungsfehler: zu starke Staubentwicklung, hohe Luftfeuchtigkeit, Schadgase wie Ammoniak und Schwefelwasserstoff
  • Kehlkopferkrankungen
  • Bewegungsmangel

Ab einer Krankheitsdauern von drei Wochen spricht man von einer chronischen Erkrankung.

Zur Beschreibung der chronischen Erkrankungen der Luftwege des Pferdes wurde eine Vielzahl von Begriffen eingeführt und teilweise auch wieder verworfen.

Für alle die es genau wissen wollen, hier die Definitionen von RAO, AID, COPD & co

Symptome:

Die Symptome sind in ihrem Schweregrad sehr unterschiedlich.
Sie reichen vom Abhusten beim ersten Antraben aufgrund einer geringen Schleimansammlung in der Luftröhre bis hin zu schweren Anfällen, die uns an Asthmatiker erinnern.
Übrigens kann die Schleimproduktion auch bereits erhöht sein, ohne dass Nasenausfluss sichtbar wird. Solange ein gewisses Mass nicht überschritten wird, gelangt der Schleim nur bis zum Kehlkopf und wird dann abgeschluckt.
Auch eine Leistungsintoleranz kann zu Beginn noch fehlen.
Normalerweise tritt kein Fieber auf.

Prophylaxe:

Sorgfältige Behandlung auch von scheinbar leichten Erkrankungen der Luftwege. Zu leicht wird aus dem lästigen sporadischen Husten eine ernstzunehmende Leistungsbehinderung bis hin zur irreversiblen Dämpfigkeit.
Ausreichend lange Schonung nach akuten Erkrankungen.
Gute Stallhygiene

Therapie:

1. Optimierung des Haltungsumfeldes für ein Pferd mit chronischer Atemwegserkrankung bedeutet konsequente Vermeidung von organischem Staub im Umfeld des Pferdes

Ohne die Möglichkeit und Bereitschaft,  das Pferd vor organischem Staub und Schadgasen zu schützen, wird jede weitere Therapie scheitern!

  • Der Zusammenhang zwischen Stallhaltung und chronischen Atemwegsbeschwerden beim Pferd ist zweifelsfrei belegt.
    Eine Umstellung des Pferdes in einen Offenstall oder ganzjährige Weidehaltung, wenn das nicht möglich ist, zumindest offene Außenbox mit Paddock ist unbedingt notwendig
  • Die Staubkonzentration im Stall ist am höchsten während des Mistens, Einstreuens bzw. während der Rauhfutterfütterung. Während dieser Zeiten sollten die Pferde nicht in den Boxen stehen.
    Kritisch ist auch, wenn Heu und Stroh über den Boxen gelagert wird und entweder der Staub durchrieselt oder aber die Ballen abgeworfen werden.
  • Gute Lüftung des Stalls auch über Nacht. Auch morgens sollte kein Ammoniakgerucht wahrnehmbar sein.
  • Es darf auschließlich Heu und Stroh bester Qualität verwendet werden.
    Heu nass verfüttern oder am besten gegen Silage oder Heucobs tauschen
    Stroheinstreu gegen entstaubte Hobelspäne o.ä. wechseln
    Die meisten Schimmelpilze / Pilzsporen sind im Heu zu finden. Wenn sich die Symptome erstmal gebessert haben, kann man versuchen, ob Stroheinstreu wieder möglich ist.
  • im Kraftfutter sind neben den eigentlichen Staubpartikeln auch Schimmelpilze, -sporen und Milben zu finden, die eine Gefahr darstellen können. Mit Öl oder Melasse bzw. auch einfach mit Wasser, kann der Staub wenigstens teilweise gebunden werden.
    Ein Abfüllen von Kraftfutter bzw. Quetschen von Hafer sollte niemals im Stall erfolgen.
  • Anfeuchten der Stallgasse vor dem Kehren
  • Meidung von staubigen Reitbahnen / -plätzen
  • möglichst täglich ruhiges Ausdauertraining um die Selbstreinigung der Lunge zu unterstützen, dabei sollte die Atmung allerdings niemals pumpend werden oder das Pferd stark schwitzen

Eine Pferdebox in einem Stall existiert nicht für sich allein. Natürlich können all diese Fütterungs- und Managementvorschläge nur Wirkung zeigen, wenn sie am besten für alle Pferde im Stall gelten oder doch zumindest auch für die Pferde in den Nachbarboxen.

Eine Änderung des Haltungsumfeldes kann eine deutliche Besserung der Symptome innerhalb von ca. 3 Wochen bewirken, allerdings werden die Symptome sofort wiederkehren, wenn das Pferd in seine alte Umgebung zurückgebracht wird.

2. Medikamente:

Je nach Erkrankung bzw. deren Schweregrad kommt es in unterschiedlichem Ausmaß zu

  1. Schleimproduktion
  2. Verkrampfung der Atemwege
  3. Entzündung und Immunreaktion der Atemwege

Eine sorgfältige Diagnostik und anschließende Medikamentenauswahl können die Lebensqualität für ihr Pferd deutlich verbessern.

Wichtig ist eine konsequente Durchbehandlung, um wirklich eine Sanierung der angegriffenen Atemwege zu ermöglichen.

3. Alternativmedizin:

Mittels Akupunktur können teilweise wirklich gute Ergebnisse erzielt werden. Allerdings sollte die alternativmedizinische Behandlung nicht eine vorhergehende sorgfältige Diagnostik ersetzen.

Auch eine Eigenblutbehandlung kann Besserung bringen.

Prognose:

Ein chronischer Huster kann nicht geheilt werden, allerdings können in vielen Fällen die Symptome soweit gebessert werden, dass das Pferd noch Jahre als Freizeitpferd zufrieden sein kann.

Einige der Veränderungen an den Luftwegen sind umkehrbar. Bronchien, die sich unter dem Einfluß allergener Reize ihren Durchmesser verengt haben, regenerieren sich. Bronchiolen können wieder durchgängig werden und so kann ein temporäres Emphysem wieder verschwinden.

Nicht reversibel sind aber Schäden an den Lungenalveolen, das nicht reversible Emphysem. Auch die Elastizität der Lunge kann nicht wiederhergestellt werden, wenn das Lungenstützgewebe durch Einlagerungen vernarbt und verhärtet ist.
Bereits abgestorbene Lungenbezirke können sich ebenfalls nicht regenerieren.
Die Hyperreagibilität, d.h. die Veranlagung auf schädliche Reize sehr stark zu reagieren, bleibt leider auch i.d.R. bestehen

Für einen chronischen Huster wird immer ein erhöhter Aufwand in der Haltung erforderlich sein.
Mit Glück sind über längere Zeiten keine Medikamente erforderlich. Es kann aber immer wieder sein, dass sie zeitweilig gebraucht werden.

weiterführende Informationen:
Eine sehr gute und detaillierte Darstellung von Diagnostik und Therapie ist in einem Artikel von Dr. C. A. Bingold zu finden

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