“Mein Pferd hat Hufrolle”

Wenn ein Pferdebesitzer mit Schrecken diesen Satz ausspricht, möchte er ausdrücken, dass sein Pferd am Hufrollen-Syndrom, der Podotrochlose, erkrankt ist.

Hufrolle ist die Bezeichnung für einige anatomische Strukturen im hinteren Bereich des Hufes, die eine wesentliche Rolle bei der Stoßdämpfung spielen.

 allgemein

Quelle: Wikipedia

Zu ihr gehören

  • das Strahlbein mit seinem Bandapparat sowie seiner Gefäß- und Nervenversorgung
  • die Bursa podotrochlearis, also der Schleimbeutel des Strahlbeins
  • der untere Teil der tiefen Beugesehne, die über Strahlbein und Schleimbeutel gleitet

Jede einzelne dieser Strukturen kann erkrankt sein.

Statt der früher üblichen Bezeichnungen von Hufrollennekrose bis Hufrollenentzündung spricht man heute besser von Hufrollen-Syndrom, weil viele unterschiedliche Strukturen daran beteiligt sind. Der lateinische Name ist Podotrochlose.

Es handelt sich um eine chronische degenerative Erkrankung, die langsam weiter fortschreitet, also letztlich eine Verschleißerscheinung

Typische Anzeichen für eine Erkrankung am Hufrollen-Syndrom

Erkrankt sind beim Reitpferd typischerweise die Vorderhufe, meistens beide allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Die Erkrankung entwickelt sich langsam und wird oft erst spät erkannt.

Im Anfangsstadium zeigt sich gerade wenn beide Vorderbeine betroffen sind, keine Lahmheit sondern eine komplexe Bewegungsstörung.

  • Die Aktion des Vorderbeines wird flacher, stumpf und spießig klamm.
  • zu Beginn der Bewegung und auf hartem ebenen Boden fällt der Leistungsunwille auf
  • zunächst ist es nur eine Taktstörung im Trab in engen Wendungen, später tritt v.a. zu Beginn der Arbeit ein deutlicher Wendeschmerz bei Kreisbewegungen auf
  • bei hohen oder weiten Sprüngen kommt es vermehrt zur Verweigerung
  • Auch häufigeres Stolpern unter dem Reiter kann bemerkt werden

Eigentlich schmerzt die Stützphase, allerdings kann es wie eine Hangbeinlahmheit oder auch Schulterlahmheit wirken, das Pferd hat Angst vor dem Auffussen.
Eine Rückbildung von Schultermuskeln kann beobachtet werden

Ursache:

Die Ursache einer Hufrollenerkrankung ist letztlich nach wie vor ungeklärt.
Aufgrund der familiären Häufig wird allerdings eine vererbte Veranlagung vermutet.
Am stärksten ist das Warmblut ist betroffen, Araber und Pony wesentlich weniger.
Begünstigend wirken außerdem Faktoren wie eine enge Hufform mit unterschobenen Trachten oder Korrektur und Beschlagsfehler.
Mangelernährung in der Aufzuchtphase oder späteres Übergewicht sind ebenfalls Risikofaktoren.

Bei Dressurpferden können die engen Wendungen zur Überbelastung führen, bei Springpferden ist es die Belastung bei der Landung.

Neben diesen mehr oder weniger nicht zu beeinflussenden Faktoren, gibt es aber auch ein paar Punkte, die jeder zum Wohle seines Pferdes berücksichtigen sollte.

Haben Pferde zu wenig Gelegenheit sich frei zu bewegen, werden die Gelenksknorpel nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt und können so weniger zur Stoßdämpfung beitragen. Es werden also mehr Schwingungen auf die Hufrolle übertragen, was sie im Laufe der Jahre immer stärker belastet.

Einen anderen Punkt hören viele Pferdebesitzer, die es besonders gut meinen gar nicht gern. Auch eine zu gut und weich z.B. mit Stroh eingestreute Box schadet auf Dauer der Hufrolle, weil die Stütze fehlt und der Boden einfach zu tief ist.

Diagnose:

Diagnostiziert wird die Erkrankung am häufigsten bei Pferden zwischen 6 und 14 Jahren, sie kann aber auch bereits bei sehr jungen Pferden auftreten

Neben einer systematischen klinischen Untersuchung wird der Tierarzt eine Leitungsanästhesie durchführen sowie ein Röntgenbild anfertigen.
Ultraschall und Kernspin können anschließend helfen, die Diagnose weiter zu verfeinern

Was kann man tun? Therapie des Hufrollen-Syndroms

Wenn die Erkrankung früh genug bemerkt wird, ist evtl. eine Heilung möglich. Unbedingte Schonung für mehrere Monate  und eine Therapie mit Entzündungshemmer sind hierfür notwendig. Am besten werden betroffene Pferde für ca. ein halbes Jahr auf die Koppel geschickt.

Leider wird das Hufrollen-Syndrom aber meist erst in einem späteren Stadium festgestellt. Hier ist dann keine Heilung mehr möglich sondern die Therapie zielt darauf ab, ein Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten und das Pferd noch für möglichst viele Jahre reitbar und schmerzfrei zu erhalten. Allerdings ist die Therapie aufwendig und kostenintensiv.

Es bestehen folgende Möglichkeiten einer Therapie des Hufrollensyndroms:

  1. Zunächst ist eine gute Hufkorrektur notwendig.
    Anschließend evtl. ein orthopädischer Beschlag, der eine Zehenrichtung vorgibt und so das Abrollen vereinfacht und die Beugesehne entlastet.
  2. Medikamente nach Verordnung des Tierarztes:
    • Entzündungshemmer wie Equipalazon oder Metacam
    • Isoxsuprin kann die Durchblutungsverhältnisse im Bereich der Zehe verbessern
    • Kalzitonin: Ein Knochenwachstumshormon. Es reguliert die Durchblutungssituation, wirkt gegen Knochenentkalkung evtl. hebt es auch die Schmerzschwelle
      Kalzitonin muss über einen längeren Zeitraum mittels intramuskulärer Injektionen verabreicht werden. Kalzitonin ist zwar aus politischen Gründen für das Pferd nicht zugelassen, die klinische Wirkung aber eindeutig.
    • Tiludronate (Tildren, Tiludronsäure)
      Dieser Wirkstoff wirkt auch noch bei schon weiter fortgeschrittenen Knochenabbauprozessen im Strahlbein. Die knochenabbauenden Zellen werden längerfristig gehemmt, wodurch sich die Knochenumbaubilanz in Richtung Knochenaufbau verschiebt.
      Verabreicht wird Tiludronate entweder in Form mehrerer intravenöser Injektionen oder aber als einmalige langsame Infusion. Eine Wiederholung kann nach 1-2 Monaten erfolgen.
      Tiludronate ist in Deutschland im Gegensatz zu andern EU Ländern noch nicht zugelassen und nicht ganz billig.
      Auch wenn die Wirkung von Tiludronate weiter reicht als alle anderen Medikamente, darf man sich bei einem zerstörten Strahlbein keine Wunder erwarten.
  3. Bewegungstherapie:
    regelmäßige Schrittarbeit auf weichem aber nicht zu tiefem Boden
    Vermeidung von scharfen Wendungen und Gehen auf hartem Boden
    Ideal sind Ausritte durch Wälder und Wiesen.
  4. Extrakorporale Stosswellentherapie
    Der Wirkungsmechanismus ist nach wie vor nicht geklärt, allerdings konnte in einer Studie an der Uni Giessen eindeutig eine Wirksamkeit beim Hufrollensyndrom nachgewiesen werden
  5. verschieden Futterergänzungen können versucht werden bzw. es gibt fertige arthroselinderne Kräutermischungen
    1. Weidenrinde
    2. Teufelskralle
    3. Extrakte aus Grünlippiger Miesmuschel (enthält Glucosaminsulfat zum Knorpelaufbau)

Ist es soweit, dass das Pferd dauerhaft Schmerzen in der Hufrolle hat, gibt es noch die Möglichkeit eines Nervenschnitts (Neurektomie). Dabei werden die Nerven, die die Hufrolle innervieren durchtrennt. Der hintere Teil des Hufes wird schmerzunempfindlich und gefühllos. Zu Beginn stolpern Pferde mit Neurektomie häufig, da sie sich erst an das neue Gefühl in den Hufen gewöhnen müssen.

Diese früher oft angewandte “Therapie” ist unter Tierschutzgesichtspunkten vorsichtig zu beurteilen.

Der Nervenschnitt macht das Pferd schmerzfrei, behebt das zugrunde liegende Problem aber nicht. Die Pferde belasten die erkrankten Hufe wieder stärker, was die Veränderungen noch schneller voranschreiten läßt. Auch wenn das Pferd scheinbar beschwerdefrei ist, trägt der Besitzer die Verantwortung, die Erkrankung weiter sorgfältig zu managen und Überbelastungen zu vermeiden. Angemessen ist gelegentliches Ausreiten und viel freie Bewegung auf der Koppel.
Zu Turnieren sind Pferde nach einer Neurektomie ohnehin nicht mehr zugelassen

Linktipps:

Empfehlenswerte Futterzusatzstoffe, um ihrem Pferd das Leben mit der Erkrankung zu erleichtern finden sich bei:
equiNatur – Natürliches Zusatzfutter für Pferde, vom Tierarzt entwickelt allgemein

Zusatzfutter aus der Apotheke für  Gelenke, Muskeln und Knochen wie z.b. Glucosamine für den Knorpelaufbau
 allgemein

Eine vollständige Beschreibung, die betroffenen Pferdebesitzern hilft die Erkrankung und ihre Therapie zu verstehen, findet sich unter www.hufrollensyndrom.de

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