Pferdeweide – anlegen, pflegen und erhalten

Für Pferde als Steppentiere ist an sich eine ganztägige Weidehaltung die optimale Lebensform. Ständig in Bewegung kommt keine Langeweile auf und der kleine Pferdemagen ist für die ganztägige Futteraufnahme gemacht. Leider gilt das so aber nicht uneingeschränkt für unsere üppigen Weiden. Hier ist viel Pflege und Wissen notwendig, um unseren Pferden das Vergnügen gönnen zu können ohne ihre Gesundheit zu gefährden. Hufrehe, Kolik und Verletzung können drohen.

Die Anforderungen an eine gute Pferdeweide sind sehr hoch, schließlich soll die Fläche doch Futtergrundlage, Lebensraum und Spielwiese in einem sein. Leider sind die tatsächlichen Weiden oft ein Bild des Jammers. Bei den meisten Pferdehaltungen steht viel zu wenig Fläche zur Verfügung für die Anzahl der Pferde, Weidepflege wird oft überhaupt nicht betrieben. Pro Pferd würde idealerweise mindestens ein halber Hektar zur Verfügung stehen.
Trockene Mineralböden mit durchlässigem Untergrund sind besonders geeignet. Darauf kann sich eine dichte, richtig zusammengesetzte Grasnarbe bilden, die die Grundlage für eine feste, aber elastische Unterlage für freien Lauf und gute Hufbildung darstellt.

Unseren Bemühungen, eine schöne und leckere Pferdeweide zu erstellen, arbeiten die Pferde leider eifrig entgegen. Sie fressen das Gras tief ab, so dass es bei vielen Grassorten nur schleppend nachwächst. Außerdem suchen sie sich wählerisch die leckersten Stellen heraus und fressen sie absolut kahl. Ihre Hufe, insbesondere wenn Pferde beschlagen sind, reißen die Grasnarbe nur allzu leicht auf.

Ohne eine sorgfältige Weidepflege ist die Grasnarbe bald zerstört und die Weide verwildert.

Optimal wäre es, der Weide nach einer kurzen Fressperiode von maximal vier Wochen durch die Pferde eine lange Ruhepause von 2 Monaten zu gönnen. Das wäre auch ideal um den Parasitendruck zu senken.

Die Einzäunung in Form eines Rechtecks ermöglicht lange Galoppierstrecken. Gerade das Stoppen und Abbremsen der Pferde belastet ihre Vorderbeine und strapaziert auch die Grasnarbe.

Unbedingt erforderlich ist es, den Mist regelmäßig zu entfernen. Nur so kann verhindert werden, dass sich allzu große Geilstellen bilden von denen aus Weideunkräuter sich einen immer größeren Platz erkämpfen. Außerdem wird die Wurmbelastung der Pferde so stark gesenkt – weit mehr als durch noch so häufige Entwurmungen.

Die Weidepflege sollte im zeitigen Frühjahr zum Vegetationsbeginn, also im März beginnen.

Zunächst einmal sollte man eine kritische Bestandsaufnahme machen.
Als Pflanzenbestand werden für eine Pferdeweide 70 % Gräserarten, 20 % Kräuter und 10 % Kleearten empfohlen. Kümmel, Wegwarte, Ringelblume, Schafgarbe und Spitzwegerich gehören zu den empfehlenswerten Kräutern.
Besteht die Grasnarbe erstmal zu über 50% aus minderwertigen Gräsern wie der Gemeinen Rispe oder Unkräutern, ist eine komplette Neuansaat empfehlenswert. Unbedingt sollten spezielle Pferdesaatmischungen verwendet werden.

Auf Giftpflanzen (Eibe, Adlerfarn, Hahnenfuß, Greiskraut, Feuerbohne, Tollkirsche, gefleckter Schierling, Herbstzeitlose u.a.) sollte ebenfalls besonders geachtet werden. Einzelne Pflanzen sollten inklusive ihrer Wurzeln ausgestochen werden. Eine chemische Unkrautbekämpfung ist nur bei starker Verunkrautung mit Ampfer, Brennnessel oder Distel angezeigt. Anschließend ist eine Nachsaat erforderlich.

Zum Einebnen von Bodenunebenheiten und Entfernen von abgestorbenen Narbenteilen muß zunächst die Weide abgeschleppt werden. Steht keine entsprechende Grünlandschleppe zur Verfügung, kann auch der Reitbahnplaner verwendet werden.

Evtl. noch vorhandener Mist sollte unbedingt vorher entfernt und nicht verteilt werden, um die Parasitenbelastung gering zu halten. Manche Wurmeier sind nur allzu widerstandsfähig.

Nach dem Schleppen folgt evtl. das Walzen mit einer schweren Wiesenwalze um hochgefrorene Bodenteile wieder anzudrücken. Auf Sandböden ist das unnötig und bei schweren Böden führt es auch mehr zu Bodenverdichtung, als das positive Effekte erreicht werden können.

Ab einer Bestandshöhe von 10 cm sollte generell nicht mehr gewalzt werden.

Junge Sträucher, die später mal als Schattenspender dienen sollen, sollten eingezäunt werden um sie zunächst vor dem Beknabbern zu schützen.

Das Nachmähen ist auf Pferdeweiden besonders wichtig. Nur so kann das Aussamen der Unkräuter verhindert werden und die verschmähten Weidereste beseitigt werden. Nebenbei wird so auch die Narbe dichter. Empfehlenswert ist es nach dem Weidewechsel bei einer Schnitthöhe von 5-8 cm nachzumähen

Düngen von Pferdeweiden:

Eine Bodenprobe gibt Aufschluss darüber, ob gedüngt werden muß oder nicht. Über Zeigerpflanzen kann man an den Bodenzustand beurteilen. Sicherer ist es aber, gleich eine Bodenprobe zu nehmen. Eine Analyse kostet ca. 35 € und spart einem doch viel an unnötigen Düngekosten. Angeboten wird sie zum Beispiel von den Landwirtschaftskammern. www.lufa-nrw.de

(Achtung, an den Kotstellen kommt es zu einer starken Stickstoff-, Phophat- und Kalianreicherung im Boden. Hier darf die Probe natürlich nicht entnommen werden)

Kalium, Phosphat, Magnesium und Kalk können bereits gegen Ende des Winters ausgebracht werden. Der oberflächlcih gefrorene Boden verhindert Bodenverdichtung sowie die Bildung von Fahrspuren.

Mit Stickstoff wird erst unmittelbar vor Vegetationsbeginn gedüngt.

Ganz gute weiterführende Erklärungen zum Thema Pferdeweide gibt es im Netz (kostenlos) zum Beispiel hier:

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft:

http://www.lfl.bayern.de/publikationen/daten/informationen_url_1_11.pdf

Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen:

http://www.llh-hessen.de/landwirtschaft/pflanzenbau/gruenland/m17.pdf

In beiden Veröffentlichungen finden sich auch Hinweise zu Zeigerpflanzen, Zeichen für Über- oder Unterweidung und eine Anleitung zur Neusaat bzw. Nachsaat.

Bei der deutschen Saatveredelung AG gibt es die Broschüre Country Horse, die verschiedenes Saatgut für die Pferdeweide beschreibt und Tipps zur Weidepflege gibt.

Saatgut erwerben:

Geeignetes Saatgut findet man sowohl für die Neuansaat als auch für die Nachsaat in der Regel in den Lagerhäusern und Raiffeisenmärkten. Wer lieber im Internet bestellt, findet es beispielsweise hier:


Pferdehaltung  allgemein Mühldorfer Saatgut für die Pferdeweide

Bücher:

Wer lieber ein umfassendes Buch mit vielen Abbildungen haben möchte kann sich dieses ansehen:

Das Praxishandbuch Pferdeweide: Anlage, Kauf und Pacht, Weide-Management, Heu und Silage, Pflege, DüngungPferdehaltung  allgemein von Ingolf Bender ist mein Favorit aus dem Angebot rund um das Thema Pferdeweide und ihre Pflege. Es gilt als umfassendes Fachbuch aus diesem Bereich und sollte alle Fragen beantworten, die noch offen sind. Vor allem liefert es viele Bilder zu den so doch oft schwierigen Beurteilungen.
Der Autor Ingolf Bender ist Biologe und langjähriger Pferdepraktiker und ist dem ein oder anderen wahrscheinlich schon von anderen Praxishandbüchern oder auch aus Fachzeitschriften (Reiter Revue, Pegasus…) bekannt.

Leider hier noch keine weitere Beschreibung zu diesem Buch von mir, da es noch auf meinem Wunschzettel steht Pferdehaltung  allgemein

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